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Post by Jyrgen N

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Von Angst und Eichen

Ökologische Zusammenhänge sind immer wieder faszinierend. Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass sogar die Angst eines Tieres vor seinen Fressfeinden beeinflussen kann, wo neue Bäume wachsen.

Eichhörnchen sammeln bekanntlich Nüsse und Samen und legen Vorräte für Zeiten an, in denen die Futterquellen knapp sind. Ein Teil dieser Vorräte bleibt jedoch im Boden zurück. Aus diesen vergrabenen Samen können dann neue Pflanzen entstehen. Doch wo die Tiere die Samen ablegen, ist nicht zufällig.

Zwei Forscher der University of Florida untersuchten dazu das Verhalten von Fuchshörnchen (Sciurus niger) in einer Kiefernsavanne im Südosten der USA. Sie verfolgten markierte Eicheln, erfassten die Fressplätze und Vorratsverstecke der Hörnchen und schätzten mithilfe von Futterexperimenten ab, wie hoch die Tiere das Risiko durch Fressfeinde an diesen Orten einschätzten.

Dabei zeigte sich ein interessanter Unterschied. Die Hörnchen fraßen Eicheln bevorzugt an geschützten Stellen unter dem Blätterdach. Ihre Vorräte vergruben sie dagegen eher nicht an diesen geschützten Orten, sondern häufiger weiter entfernt von den Eichen, an offeneren Stellen, an denen sie ein größeres Risiko durch Fressfeinde wahrnahmen.

Das mag zunächst komisch anmuten, macht aber durchaus Sinn. Denn auch andere Eichhörnchen müssen sich dort einem höheren Risiko aussetzen, wenn sie nach fremden Vorräten suchen. Für das Tier, das die Eichel vergraben hat und den genauen Ort kennt, ist das Risiko aber viel niedriger, da es sich nur kurz und gezielt an diesem unsicheren Ort aufhält.

Interessant sind die Folgen dieser Entscheidung für die Eichen. Tatsächlich ist es nämlich so, dass vergrabene Eicheln mit ganz erheblich höherer Wahrscheinlichkeit keimen als solche, die einfach auf dem Boden liegen.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die räumliche Verteilung junger Eichen mit den bevorzugten Vorratsverstecken decken. Insgesamt kann man somit durchaus feststellen, dass die Angst der Eichhörnchen vor ihren Fressfeinden indirekt beeinflusst, wo neue Eichen wachsen.

Etwas überspitzt würde ich sogar ableiten, dass das alleinige Vorhandensein entsprechender Beutegreifer einen Einfluss auf die Eichenpopulation hat, ohne dass diese beiden Arten überhaupt direkt etwas miteinander zu tun haben.
So ist das eben in Ökosystemen. Umso wichtiger, sie zu schützen.

Quelle:
Potash & McCleery (2026), Ecology
„Predation risk alters prey caching behavior and resultant tree establishment patterns”
doi.org/10.1002/ecy.70570

#ecology #biologie #eichhörnchen #wissenschaft #wissen #wald #wisskomm #anysci

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Jyrgen N @jyrgenn@mas.to

@anysci Zu "das Tier, das die Eichel vergraben hat und den genauen Ort kennt" — gab es nicht auch die Theorie, dass sie das gar nicht wirklich wissen, sondern einfach die Orte wieder aufsuchen, die sie für geeignet halten, eine Eichel zu vergraben, und dann finden sie da auch eine?
Mir ist das sehr plausibel, denn mir scheint es einfacher, sowohl beim Verstecken als auch beim Suchen einfach kategorisch, also eher nach Eigenschaften, Orte abzugehen, als jede versteckte Eichel individuell in Erinnerung zu behalten.

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Replies

@jyrgenn

Tatsächlich weiß man gar nicht so genau, wie Eichhörnchen ihre vielen Vorräte wiederfinden.

Es gibt dazu unterschiedliche Beobachtungen. Einerseits spricht einiges dafür, dass sie sich bestimmte Verstecke tatsächlich exakt merken können. In Experimenten mit Grauhörnchen konnten die Tiere beispielsweise noch nach mehreren Wochen versteckte Nahrung ziemlich genau wiederfinden.

Andererseits ist deine Überlegung durchaus plausibel. Die Tiere könnten sich auch an bestimmten Merkmalen ihrer Umgebung orientieren oder gezielt dort suchen, wo sie selbst bevorzugt Vorräte anlegen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass am Ende mehrere Strategien zusammenspielen. In ihre Köpfe reinschauen können wir nicht.

Interessant ist übrigens, dass Fuchshörnchen ihre Vorräte teilweise sogar nach Nussarten räumlich sortieren. Auch das könnte ihnen helfen, den Überblick zu behalten.

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